Trierer Bistumssynode: Der SkF Koblenz war aktiv dabei

Am 30. April 2016 hat die Trierer Bistumssynode mit großer Mehrheit ihr Schlussdokument verabschiedet. Damit ging die Synode nach zweieinhalb Jahren intensiver Beratungen zu Ende. Die Beschlüsse des rund 40 Seiten zählenden Dokuments sollen den Kurs der Trierer Ortskirche in den nächsten Jahren bestimmen. Unter den 231 Synodalen kamen 20 aus dem Dekanat Koblenz, darunter Frau Antonie Heider, die als Delegierte für den SkF Koblenz von Anfang an bei den Arbeiten der Synode mit dabei war. Über ihre Arbeit als Synodale in Trier sprach mit Frau Heider die Geschäftsführerin des SkF Koblenz, Stefanie Coopmeiners.

Stefanie Coopmeiners: Frau Heider, wer hat an der Verabschiedung der Synode mitgearbeitet, und wie sind Sie in diesen Kreis gewählt worden?

Antonie Heider: Im Sommer 2013 wurde ich von der Vorsitzenden des SkF Koblenz, Frau Margret Schneider, und der Geschäftsführerin, Frau Daniela Veith, gefragt, ob ich bereit sei, in der Synode des Bistums Trier
mitzuarbeiten. Sie würden mich gerne für die Wahl der Synodalen vorschlagen. Einen kurzen Moment war ich überrascht, zögerte ein wenig, überlegte, ob ich der Aufgabe auch gewachsen sei, dann erwachte meine
Neugier, und ich entschied mich, die Herausforderung anzunehmen.

Coopmeiners: Warum wurde die Synode einberufen und durch wen?

Heider: Einberufen hat die Synode Bischof Ackermann. Sie sollte eine „Vergewisserung über die Inhalte christlichen Glaubens und über den Auftrag der Kirche im Bistum Trier anregen und Richtungsentscheidungen für
die Seelsorge im Bistum treffen. Christinnen und Christen sollten in der Synode eine Orientierung finden, wie man unter den Bedingungen des 3. Jahrtausends den Weg des Glaubens im Bistum Trier gehen könnte.“

Coopmeiners: Wie haben wir uns die Arbeitstreffen konkret vorzustellen?

Heider: Es gab insgesamt sieben Vollversammlungen und zahlreiche Treffen der einzelnen Sachkommissionen. Was meine Sachkommission „Charismen“ anging, so trafen wir uns in Wittlich etwa alle 4-6 Wochen. Begonnen haben wir immer mit einem „geistigen Impuls“, dann kam eine allgemeine Aussprache im Hinblick auf die Inhalte des letzten Treffens, mögliche Präzisierungen im Bezug auf Texte, Formulierungen, aber auch Diskussionen mit den Ergebnissen anderer Sachkommissionen. Meistens wurde dann in kleineren Gruppen analysiert, nach Lösungen gesucht, die unserer Zeit und den Lebensbedingungen der Menschen entsprachen. Am Ende gab es wieder die große Runde, in der alles zusammengetragen, erklärt, verworfen, verbessert, gekürzt wurde.

Coopmeiners: Was war inhaltlich Ihre Aufgabe/Ihr Schwerpunkt in diesem Prozess?

Heider: Ich habe mich immer als Vertreterin des Ehrenamtes im Rahmen des SkF gesehen. Deshalb auch die Entscheidung, mich in die Sachkommission der „Charismen“ einzubringen. Wenn wir von Charismen sprechen, dann meinen wir die besonderen, von Gott gegebenen Talente und Fähigkeiten, die man zum Wohl der christlichen Gemeinschaft, im sozialen Miteinander entwickeln und anwenden soll. Meine Erfahrungen mit ehrenamtlicher Arbeit wollte ich unbedingt in die Arbeitsgruppe hineintragen. Denn es war allen Mitgliedern der Sachkommission bewusst, dass dem Ehrenamt mehr Aufmerksamkeit, mehr Gewichtung im Hinblick auf
eine moderne, lösungsorientierte und dem Menschen zugewandte Kirche gegeben werden muss.

Coopmeiners: Was genau versteckt sich hinter dem Begriff „Synode“?

Heider: Das Wort Synode stammt aus dem Griechischen und bedeutet Zusammenkunft, Versammlung, Treffen. Die Synode des Bistums Trier hatte den Auftrag an die Synodalen, Orientierung zu bieten, wie man Glauben unter den heutigen Bedingungen leben kann.

Coopmeiners: Gibt es einen „roten Faden“ der Synode, und woran erkennen wir ihn?

Heider: Der „rote Faden“ der Synode sind die Perspektivwechsel. Sie lassen eine neue Art des Denkens, eine Haltung des Mutes und der Weite erkennen. Es geht hierbei nicht um eine Entwertung des Bisherigen, vielmehr um eine andere Sichtweise, die dem Menschen in seiner Lebenssituation entgegenkommt. Dies im wahrsten Sinne des Wortes: Den Einzelnen dort finden, wo er in seiner individuellen Situation steht.

Coopmeiners: Es wird von Perspektivwechsel gesprochen. Können Sie uns erläutern, was genau die Kirche damit verbindet? Wo möchte Kirche in Zukunft hin?

Heider: Mit den vier Perspektivwechseln muss man sich genauer beschäftigen. Vom Einzelnen her denken, Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen, weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen verankern und das Synodale Prinzip bistumsweit leben. Die Perspektivwechsel bedürfen einer Erklärung, vor allem aber auch einer Verabschiedung, das heißt, einer Auflistung dessen, was nicht gemeint ist, was verabschiedet werden muss. Hier die Beispiele: Vom Einzelnen her denken bedeutet, den Menschen in seiner individuellen Lebenswirklichkeit, in seiner zunehmenden Freiheit, in der Pluralität der Lebensentwürfe
zu akzeptieren. Es geht nicht um den abstrakten Menschen, sondern um den realen, den konkreten, den geschichtlichen, der auf Gemeinschaft angewiesen ist. Eine Kirche, die vom Einzelnen her denkt, muss sich verabschieden von standardisierten Lebensentwürfen, von Beurteilungen über ein gelungenes Leben, dass sich Katechese an bestimmte Anlässe binden lässt, dass sich Traditionen nicht mehr als verbindlich und akzeptiert erweisen. Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen bedeutet, dass die Gaben, mit denen Gottes Geist die Getauften ausstattet, im Leben der Kirche von Trier zur Geltung kommen sollen. Die Aufmerksamkeit für das
Wirken des Geistes ist in den Gewohnheiten des pastoralen Alltags oft abgestumpft. Verabschieden muss man sich von der Vorstellung, dass die kirchlichen Aufgaben wie bisher weitergeführt werden müssen, dass kirchliches Handeln nur dort geschieht, wo ein kirchlicher Amtsträger handelt oder dass gute Gottesdienste nur dort stattfinden, wo ein Priester oder Diakon wirkt. Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige  Kooperationsformen verankern Pfarreien werden sich immer mehr zu einer Gemeinschaft der Gemeinschaften entwickeln und verschiedene Orte des kirchlichen Lebens hervorbringen. In Zeiten sich verknappender personeller  und finanzieller Ressourcen muss das Verhältnis von Nähe und Weite neu bestimmt werden, das heißt, Kirchenentwicklung muss neu angegangen werden. Die bisherige Form von Pfarrei mit allen Routinen und  Gewohnheiten wird sich ändern, ebenso wie die Vorstellung der Pfarrei als unverändert fortbestehende Handlungsebene.

„Ich habe mich immer als Vertreterin des Ehrenamtes im Rahmen des SkF Koblenz gesehen“: Antonie  Heider

Charismen vor Aufgaben in den Blick nehmen bedeutet, dass die Gaben, mit denen Gottes Geist die Getauften ausstattet, im Leben der Kirche von Trier zur Geltung kommen sollen. Die Aufmerksamkeit für das Wirken des Geistes ist in den Gewohnheiten des pastoralen Alltags oft abgestumpft. Verabschieden muss man sich von der Vorstellung, dass die kirchlichen Aufgaben wie bisher weitergeführt werden müssen, dass kirchliches Handeln nur dort geschieht, wo ein kirchlicher Amtsträger handelt oder dass gute Gottesdienste nur dort stattfinden, wo ein Priester oder Diakon wirkt. Weite pastorale Räume einrichten und netzwerkartige Kooperationsformen  verankern Pfarreien werden sich immer mehr zu einer Gemeinschaft der Gemeinschaften entwickeln und verschiedene Orte des kirchlichen Lebens hervorbringen. In Zeiten sich verknappender personeller und finanzieller
Ressourcen muss das Verhältnis von Nähe und Weite neu bestimmt werden, das heißt, Kirchenentwicklung muss neu angegangen werden. Die bisherige Form von Pfarrei mit allen Routinen und Gewohnheiten wird sich ändern, ebenso wie die Vorstellung der Pfarrei als unverändert fortbestehende Handlungsebene. Das synodale Prinzip bistumsweit leben Eine synodale Kirche ist eine Kirche des Zuhörens, des wechselseitigen Anhörens und des Hinhörens. Für die Gläubigen bedeutet dies ein Aufeinanderhören, sich aufeinander einlassen. Auf diese Weise werden alle zu Akteuren und Mitgestaltern.

Coopmeiners: Eine Diskussion, die ich am Rande der Synode mitbekommen habe, war die Definition von Kirchenräumen zu Kirchorten? Gibt es ein Fazit, welches hier gezogen wurde? Sind demnach auch unsere unterschiedlichen Fachbereiche des SkF‘s Orte von Kirche?

Heider: Beide Punkte lassen sich zusammenfassen. Die Pfarrei der Zukunftmit Pfarrort-Basisgemeinschaften,Themenzentren und anderen Orten ist als Netzwerk zu verstehen. Somit ist die Pfarrei der Zukunft von einer Vielfalt verschiedener christlicher Gemeinschaftsformen unterschiedlicher Größe geprägt. Auch Ehrenamtliche können Funktionen, Rollen und Aufgaben in der Pfarrei der Zukunft übernehmen. Kleine christliche  Gemeinschaften in den Pfarreien sollen gegründet und in ihrer Entwicklung unterstützt und gefördert werden.

Coopmeiners: Was ist Ihnen als Fachfrau in der Synode wichtig uns mitzuteilen oder für die Zukunft mit auf den Weg zu geben?

Heider: „heraus gerufen. Schritte in die Zukunft wagen“ ist der Titel des Abschlussdokumentes. Ich persönlich finde diesen Titel wunderbar, sagt er doch alles über das Neue, das Weite, das Zeitgemäße aus. Herausgerufen heißt, mehr als nur gerufen werden. Es bedeutet, dass jeder Einzelne aus einem „Raum“ heraustreten muss gedanklich oder real. Ich muss aktiv werden. Da gibt es einen Punkt, einen Ort, eine Person, dorthin muss ich gehen. Nicht verzagt, nicht zögerlich, bedeutet das Gehen doch - ich bewege mich aufrecht hin zu einem Ziel. Der Begriff „Schritte in die Zukunft wagen“ gehört zum Gehen dazu, weil wir alle nicht genau wissen, wo das Ende unseres Gehens sein wird. Zukunft ist etwas, das vor uns liegt, etwas Unvorhersehbares. Seien wir mutig, hoffen wir auf die Hilfe des Heiligen Geistes. Er wird uns auf den neuen Wegen begleiten und uns helfen, besonders dann, wenn die Wege steinig sind. Und so kann ich sagen, dass ich mit den Ergebnissen der Synode sehr zufrieden bin. Die Synode ist zwar beendet, ich denke aber, dass mich weiterhin das Thema  beschäftigen wird. Ich bin gespannt auf die Umsetzung der Ergebnisse, auf die Zeitpläne, auf die strukturellen Veränderungen in unserem Bistum. Mein Wissen zum Thema Synode werde ich auch gerne weitergeben.

Coopmeiners: Frau Heider, wir danken Ihnen sehr für dieses Interview und Ihre Begleitung in unserem Hause. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute.

Weitere Informationen zur Trierer Bistumsynode finden Sie unter:
www.synode.bistum-trier.de,
im Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum
Trier, Ausgabe 6 /15. Mai 2016, Bestellung
beim Bischöflichen Generalvikariat, Postfach
1340 / 54203 Trier
E-Mail: kanzlei@bgv-trier.de und der Dokumentation
„Als Volk Gottes auf den Weg
geschickt“ Paulinus Verlag , Herausgeber
André Uzulis, Preis 22,90 Euro