Sozialdienst macht Ministerin auf finanzielle Nöte aufmerksam

Über die Arbeit des Koblenzer Ortsvereins des Sozialdienstes Katholischer Frauen (SKF) informierte sich Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD). In Begleitung des SPD-Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger war sie in die Geschäftsstelle in der Kurfürstenstraße in Koblenz gekommen. Barleys besonderes Anliegen galt dabei dem Frauenhaus.

Sie berichtete von einem jüngst geführten Gespräch mit einer betroffenen Frau. Die hatte geschildert: „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in eine solche Situation komme. Elf Jahre glaubte ich, dass ich einen ganz tollen Mann habe. Bis er mir das Messer an den Hals gehalten hat.“ Auch die Leiterin des Frauenhauses Alexandra Neisius berichtete von einem aktuellen Fall: „Glücklicherweise hatten wir gerade einen Platz frei. Dadurch kann morgen eine Frau einziehen, die vor ein paar Tagen, nur mit einem Longshirt bekleidet, von der Polizei ins Krankenhaus eingeliefert wurde.“ Zwei konkrete Beispiele dafür, dass Gewalt gegen Frauen ständig präsent ist, meistens unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

SKF-Geschäftsführerin Stefanie Coopmeiners erklärte: „Im Schnitt hat unsere Interventionsstelle, die eng mit der Polizei zusammenarbeitet, täglich vier Kontakte zu betroffenen Frauen.“ Die SKF-Vorsitzende Margret Schneider erläuterte: „Diese Stelle ist eine von vier Säulen des SKF im Bereich Gewaltschutz.“ Neben dem Frauenhaus, das sieben Betroffenen und meistens den Kindern Schutz bietet. Im Beratungsladen, einem offenen Treff für Frauen, gibt es eine Nachberatung für Frauen, die sich meistens einen neuen Bekanntenkreis aufbauen müssen. In der psychosozialen Prozessbegleitung gibt es Beratung für Frauen, die in kritischen Prozessen als Zeugen aussagen wollen.

Thematisiert wurde auch die enger werdende finanzielle Ausstattung. Die Spendenbereitschaft nimmt ab. Coopmeiners sagt: „Wir wollen gern Träger des Frauenhauses bleiben. Die Arbeit ist aber nur noch dank vieler ehrenamtlicher Kräfte zu leisten.“ Die Ministerin sagte: „Die Finanzierung der Frauenhäuser muss besser werden. Das können die Kommunen nicht allein schultern.“ Da müssten sich Bund, Länder und Gemeinden an einen Tisch setzen. Ein weiteres Problem ist für die Frauen, später eine Wohnung zu finden. Das weiß auch Detlev Pilger aus seiner früheren 25-jährigen Tätigkeit in sozialen Brennpunkten. Konkret fordert die SPD in Koblenz beim Neubau von Miethäusern eine 20-Prozentquote für den sozialen Wohnungsbau.

Winfried Scholz, RZ Koblenz und Region vom Freitag, 25. August 2017, Seite 20


Beitrag des Fernsehsenders "tv-mittelrhein": http://tv-mittelrhein.de/tvm/mediathek_tvm/details_tvm.de.jsp?video_id=12048