Pressemeldung: Bundespräsident Gauck besucht Berliner Frauenhaus

BORA Bundespräsident Joachim Gauck besuchte am 6. März 2017 gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt das Berliner Frauenhaus BORA. Im anschließenden Gespräch mit Vertreterinnen der bundesweiten Dachorganisation Frauenhauskoordinierung e.V., dem BMFSFJ sowie Mitarbeiterinnen verschiedener Frauenhäuser betonte der Bundespräsident die Notwendigkeit, alle gesellschaftlichen Kräfte gegen Gewalt gegen Frauen zu bündeln. Hierzu regte er die Schaffung einer Ombudsfrau für das Thema Gewalt gegen Frauen an.

Die Begegnung mit Frauenhauskoordinierung e.V. (FHK) und dem Frauenhaus BORA hatte Joachim Gauck selbst angeregt. In den Räumen der Beratungsstelle von BORA informierte er sich über die Leistungen und Problemlagen des Hilfesystems. Vertreterinnen von FHK betonten, dass es endlich einen Rechtsanspruch auf Schutz und Hilfe bei Gewalt und eine rechtlich abgesicherte Finanzierung von Frauenhäusern und Frauenfachberatungsstellen brauche. Die Geschäftsführerin von FHK, Heike Herold, wies einleitend auf den erheblichen Mangel an Ressourcen im Hilfesystem hin. Johanna Thie aus dem FHK-Vorstand unterstrich, dass es seit Jahrzehnten einer Lösung auf Bundesebene bedürfe. Anschaulich erläuterte sie die sehr unterschiedliche Erreichbarkeit von Hilfsangeboten für gewaltbetroffene Frauen in den verschiedenen Bundesländern und im ländlichen Raum gegenüber Ballungsgebieten. Die Leiterin des Frauenhauses in Rathenow, Catrin Seeger, schilderte eindrücklich aus eigener Praxis, wie sie zusätzliche finanzielle Mittel aus unterschiedlichen Töpfen akquirieren muss, weil die pauschale Finanzierung durch den Landkreis nicht ausreicht.

Ruth Niebuer, Leiterin des Referats „Schutz von Frauen vor Gewalt“ im BMFSFJ, bestätigte die problematische Situation hinsichtlich der Finanzierung des Hilfesystems. Sie wies aber gleichzeitig auf Erfolge wie das bundesweite Hilfetelefon bei Gewalt gegen Frauen hin. Unter anderem mit diesem Instrument erfülle die Bundesregierung die Voraussetzungen zur Ratifizierung der sogenannten Istanbul-Konvention (Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt).

Auch der Bundespräsident forderte dazu auf, an die Errungenschaften der letzten zwanzig Jahre anzuknüpfen. Um die Prävention von Gewalt, die Vernetzung des Hilfesystems und den Schutz von Mädchen und Frauen vor Gewalt noch zu verbessern, seien aber weitere Maßnahmen erforderlich. Seinen Vorschlag, das Thema Gewalt gegen Frauen durch eine Ombudsfrau zu bündeln, begrüßte Gisela Pingen-Rainer, Vorsitzende von FHK. Sie bekräftigte das Interesse der Betroffenen und des Hilfesystems an einer unabhängigen Beauftragten für Fragen der Gewalt gegen Frauen.

Vor dem Expertinnen-Gespräch hatte Gauck unter Ausschluss der Öffentlichkeit das Frauenhaus BORA mit Mitarbeiterinnen, Bewohnerinnen und ihren Kindern besucht. Gauck zeigte sich hiervon sehr beeindruckt. Er habe erlebt, wie die Frauen einander beistehen, wie sie von den Mitarbeiterinnen des Frauenhauses ermutigt werden und wie sie sich gegenseitig ermutigen.

Medienkontakt:
Heike Herold, Geschäftsführerin Frauenhauskoordinierung e. V.
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