Gewalt kennt keine Gesellschaftsschicht - 20 Jahre Frauenhaus des SkF Koblenz

Koblenz, 29.06.2018 – Auf eine der ersten Fragen, wo das Frauenhaus in Koblenz stehe, gibt es keine Antwort. Die Anonymität und damit ein Stückweit Sicherheit wird so gewahrt. Seit 20 Jahren befindet sich die Einrichtung in Trägerschaft des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF). In dieser Zeit wurden 1100 Frauen aufgenommen. Die sieben Betten sind stets belegt. Die Frauen und auch ihre Kinder haben meist jahrelang unter der Gewalt in einer engen sozialen Beziehung gelitten und erhalten im Frauenhaus einen Auftakt für ein neues, gewaltfreies Leben.

Durch Beratungsstellen, Arztpraxen oder die Polizei werden Frauen auf das Angebot aufmerksam „oder sie melden sich selbst“, berichtet die Leiterin der Einrichtung Alexandra Neisius. Aufgenommen werden Frauen, bei denen die Bedrohungslage hoch und der Unterstützungsbedarf durch viele Kinder oder ein fehlendes soziales Netzwerk stark sei. „Wir sind beratend und begleitend da, doch wir entmündigen die Frauen nicht“, erklärt Neisius die Situation im Haus. Das Frauenhaus sei kein Heim. „Alle versorgen sich und ihre Kinder selbst. Des Weiteren sind sie für die Hausgemeinschaft mitverantwortlich“, erklärt Alexandra Neisius. „Es geht uns darum, das Selbstwertgefühl der Frauen zu stärken, denn viele trauen sich nach Jahren der Unterdrückung und Gewalt nichts mehr zu. Da wird die Eröffnung eines eigenen Kontos schon einmal zu einer großen Hürde“, weiß die Sozialarbeiterin, die seit neun Jahren das Haus leitet; seit fast 20 Jahren arbeitet sie dort. Dr. Christiane Zakrzewski, die 25 Jahre lange die Geschäftsführung des Trägervereins SkF wahrnahm, verdeutlicht: „Wir vermitteln: Du bist eine wertvolle Frau. Du schaffst es mit uns gemeinsam.“ In ihre Amtszeit fiel auch die Übernahme des Koblenzer Frauenhauses, das bis dato von einem autonomen Verein geleitet wurde.

Was hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten geändert? Die Konfliktlage sei komplexer geworden, resümieren die Frauen. „Neben der Gewalterfahrung kommen weitere Probleme wie psychische Erkrankungen, Schulden und Erziehungsschwierigkeiten hinzu“, überblickt Alexandra Neisius die zurückliegende Zeit. „Doch die Frauen sind auch mutiger geworden sich von ihrem bisherigen Leben zu trennen“, beobachtet Christiane Zakrzewski. Zudem seien die Frauenrechte gestärkt worden und „Gewalt wird nicht mehr so tabuisiert wie früher, da war es eher Privatsache“, sagt Alexandra Neisius. Nach wie vor sei es jedoch ein großes Thema: „Jede vierte Frau in Deutschland wird mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Gewalt durch ihren Ehe- beziehungsweise Lebenspartner oder Freund“, weiß die Frauenhaus-Leiterin. Ihr ist es dabei wichtig zu betonen, dass es jede Frau treffen kann – „unabhängig von Alter, Gesellschaftsschicht, sozialer Herkunft oder Nationalität“.

Das Haus steht auf unterschiedlichen finanziellen Säulen. Die Finanzierung sei äußerst komplex, erklärt die derzeitige Geschäftsführerin des SkF Stefanie Coopmeiners:„Vereinfacht gesagt: Es gibt freiwillige Zuschüsse von Seiten der Stadt, des Landes Rheinland-Pfalz und das Bistum steuert Gelder bei“. „Der Bedarf nach mehr Plätzen ist da, aber wir können diese nicht finanzieren, daher müssen wir leider viele Frauen abweisen“, verdeutlicht sie das Problem. Der Förderverein nehme eine sehr wichtige Rolle ein, erklärt Christiane Zakrzewski. 20 Prozent des Budgets des Hauses werden durch Spendenmittel abgedeckt. „Der Verein kümmert sich zum einen um Freizeitangebote für die Frauen und ihre Kinder, die bei uns genauso im Fokus stehen wie die Mütter und zum anderen um eine Erstausstattung an Lebensmitteln oder Hygieneartikel. Oftmals leben die Frauen zunächst von Hartz IV und steigen mit der Zeit wieder oder zum ersten Mal in die Arbeitswelt ein“, beschreibt Alexandra Neisius die Bedeutung des Fördervereins.

Das Angebot des SkF in diesem Bereich steht auf drei Beinen: das Frauenhaus, der Beratungsladen für Frauen und die Interventionsstelle gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen und Stalking. Hier laufen die Zahnräder ineinander. „Der Aufenthalt im Frauenhaus ist ein Abschnitt eines langen Prozesses mit vielen Veränderungen – und jeder von uns weiß, wie schwierig Veränderungen sind“, sagt Stefanie Coopmeiners. Der SkF bietet viele Hilfsleistungen, um einen Übergang in einen „normalen“ Alltag zu schaffen. Trotz all dieser Angebote wird es auch in Zukunft Frauen in Not geben, sind die drei sich einig. „Jeder, der Leid verspürt, kann zu uns kommen. Wir beraten vertraulich und kostenfrei“, versichern die Frauen. Die Hilfe richtet sich nicht nach Konfessionen, das zu betonen ist ihnen wichtig. „Wir lassen uns vom christlichen Selbstverständnis leiten, und von diesem Gedanken aus können wir niemanden ausschließen“, fasst Stefanie Coopmeiners zusammen.

In Rheinland-Pfalz gibt es 17 Frauenhäuser in unterschiedlicher Trägerschaft. Städte und Landkreise sind nicht dazu verpflichtet Frauenhäuser vorzuhalten.

Weitere Informationen zum Frauenhaus Koblenz gibt es unter Tel.: 0261-9421020 oder per E-Mail an info@frauenhaus-koblenz.de.


Julia Fröder - Bischöfliche Pressestelle Trier, Redaktion Koblenz
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