Erste Ergebnisse des EFZA

Das Expertise- und Forschungszentrum Adoption (EFZA) wurde im Februar 2015 von der Bundesregierung als Projekt mit dreijähriger Laufzeit beim Deutschen Jugendinstitut in München angesiedelt. Das Gesamtsystem Adoption – das Adoptionsrecht wie auch die Adoptionsvermittlungspraxis - sollte einer umfassenden Prüfung unterzogen werden. Kürzlich wurden in Berlin im Rahmen eines Abschlussworkshops einem Fachgremium erste Ergebnisse der Bestandsaufnahme vorgestellt.

Dabei konzentrierten sich die Mitarbeiterinnen des EFZA unter Leitung von Frau Dr. Ina Bovenschen bei der Vorstellung vor allem auf drei Kernbereiche:

  • Vorbereitung und nachgehende Begleitung der Beteiligten im Adoptionsprozess

  • Strukturelle Offenheit von Adoptionen

  • Strukturen der Adoptionsvermittlung im Inland und aus dem Ausland

Im Rahmen der Vorbereitung der aufnehmenden Familien zeichnet sich im Großen und Ganzen eine hohe Zufriedenheit bei den Bewerbern wie auch den späteren Adoptivfamilien ab. Die Verfahren in der Bewerbungszeit wurden weitestgehend als angemessen, fair und nachvollziehbar von den Betroffenen bewertet, wobei die Bewerbungsverfahren hinsichtlich der eingesetzten Methoden, der herangezogenen Kriterien und der Dauer sehr heterogen verlaufen. Auf Seiten der Eltern, die ein Kind zur Adoption gegeben haben wird eine deutliche gesellschaftliche Stigmatisierung beschrieben. Die Entscheidung zur Adoptionsfreigabe eines Kindes ist in Deutschland nach wie vor eine nicht respektable Entscheidung, die von den betroffenen Eltern meist ihrer Umgebung gegenüber geheim gehalten wird. So erhält ein großer Teil der Herkunftseltern bei dieser schweren Entscheidung keine oder nur wenig Unterstützung durch das (erweiterte) familiäre Umfeld.

Im Rahmen der nachgehenden Begleitung wird in der Untersuchung deutlich, dass sich die meisten Adoptivkinder altersgemäß entwickeln und keine besonderen Verhaltensauffälligkeiten, Entwicklungsrückstände oder Bindungsstörungssymptome zeigen. Allerdings erfasste die Befragung der Adoptiveltern nur solche, die in den vergangenen zwei Jahren ein Kind mit dem Ziel der Adoption aufgenommen haben. Da 70 % der Vermittlungen im Rahmen inländischer Fremdadoptionen direkt nach der Geburt des Kindes stattfinden, relativieren sich diese Ergebnisse. Die Studie zeigt, dass ein höheres Alter zum Zeitpunkt der Vermittlung, eine Adoption aus dem Ausland wie auch belastende Vorerfahrungen Risikofaktoren für die kindliche Entwicklung darstellen. Im Fachgremium wurde ausdrücklich der Wunsch nach weitergehender Forschung im längeren Verlauf einer Adoption und die Befragung von Adoptiveltern mit Adoptivkindern im Grundschulalter wie auch in der Pubertät geäußert.

Die strukturelle Öffnung von Adoption durch halboffene und offene Formen wird von den Fachleuten wie auch vielen Adoptiveltern begrüßt. Dabei zeigt der internationale Vergleich, dass in anderen Ländern wie z.B. USA die Praxis der offenen Adoptionen sehr viel selbstverständlicher ist als in Deutschland. Dortige Erfahrungen machen Mut und bestätigen, dass sich Befürchtungen wie die Irritation der Kinder, Übergriffe in das Familienleben durch die leiblichen Eltern oder Rollenkonfusion der Adoptiveltern in keiner Weise bewahrheiten. Im Gegenteil, die Betroffenen berichten überwiegend von positiven Auswirkungen insbesondere auf die stabilen Entwicklungsmöglichkeiten der Kinder. In Deutschland sind es häufiger die leiblichen Eltern, die einen Kontakt nicht zulassen können oder wollen, sei es aus dem Gefühl der Scham und Schuld oder der Angst vor weiterer Stigmatisierung.

Die Studie zu den Strukturen der Adoptionsvermittlung beinhaltet u.a. die Erfassung des Fachkräftegebots, Arbeitsschwerpunkte und -verteilung sowie das Verhältnis der freien und kommunalen Adoptionsvermittlungsstellen. Dabei wird deutlich, dass ca. die Hälfte der befragten Jugendämter das Fachkräftegebot von mind. zwei Vollzeitkräften nicht einhalten. Die Jugendämter begleiten einen Großteil der Stiefkindadoptionen und die freien Träger halten überwiegend ein gut abgestimmtes Angebot verschiedener Art und Methoden der Begleitung für die Betroffenen bereit. Interessant ist die Einschätzung der Fachkräfte in Bezug auf die Zeitintensivität verschiedener Arbeitsbereiche in den Adoptionsdiensten: so wird der Aufwand für die Schulung, Vorbereitung und Eignungsüberprüfung auf 33 % der Arbeitszeit eingeschätzt, wohingegen sich die Adoptionsberatung leiblicher Eltern (14 %), Nachforschungen und Wurzelsuche (13 %) und nachgehende Begleitung (12 %) ungefähr gleichgewichtig in der Arbeitszeit abbilden. Hinzu kommen noch 9 % verwaltungstechnische Tätigkeiten. Aus dem Fachgremium heraus wurde auf die zunehmende Zahl der inländischen Fremdvermittlungen durch katholische Träger hingewiesen und auf die gänzlich fehlende finanzielle Unterstützung dieser Adoptionsdienste durch staatliche Zuschüsse.

Einig waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer bezüglich der Komplexität der Adoptionsbegleitung vor, während und nach einer Adoptionsvermittlung für alle Betroffene, einer notwendigen Haltungsänderung gegenüber leiblichen Eltern und der nötigen Unterstützung der Tätigkeiten der Adoptionsdienste.

Claudia Iland, Staatlich anerkannte Adoptionsvermittlungsstelle im SkF Koblenz